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… ohne an Kompetenz einzubüßen

Der Begriff Eigenverantwortung wird bereits in Schulzeiten immer wieder als wichtiger Wert benannt. Ganz klar erscheint es hier, die jungen Menschen auf ein Berufsleben vorzubereiten, in welchem sie selbst und niemand sonst die Verantwortung für ihre Arbeitsergebnisse und Leistungen übernimmt. Nun ist es im Berufsleben in den allermeisten Fällen auch so, dass sowohl Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich grundsätzlich mehr Eigeninitiative wünschen. Woran liegt es also dass das Maß an vorhandener Verantwortungsübernahme in vielen Branchen weiterhin zu gering erscheint? Wie sehen die Unternehmer und Angestellten diese Situation und welche Voraussetzungen bestehen, um das Maß an Eigenverantwortung für jeden Einzelnen in einem Unternehmen zu erhöhen? Auf diese Fragestellungen wird sich dieser Blogtext konzentrieren und dabei einen hoffentlich wertvollen Beitrag leisten, welcher die Voraussetzungen schafft, um mehr Eigenverantwortung im eigenen Betrieb zu ermöglichen.

Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln wird überall gewünscht, doch wird sie auch gelebt?

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die in Besprechungen an die übernommene Verantwortung für die eigene Arbeit appellieren und gleichzeitig die Anwesenheitszeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Minute genau kontrollieren oder keine Voraussetzungen schaffen, die zu eigenverantwortlicher Arbeit in Zeiten der Digitalisierung anregen, sind keine Seltenheit.

Auf der anderen Seite stehen jedoch auch häufig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche sich hinter den Beschwerden über gängelnde Chefs verstecken und somit gar die Möglichkeit ausschließen, mehr Eigeninitiative zu zeigen und die volle Verantwortung für ihre persönlichen Arbeitsergebnisse zu übernehmen.
In einer Zeit, in welcher uns die Digitalisierung in so vielen Bereichen das Arbeiten flexibler, einfacher und gleichzeitig eigenverantwortlicher machen kann, braucht es die grundsätzliche Bereitschaft von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, nicht nur den Willen zu mehr eigenverantwortlichem Handeln zu äußern, sondern auch die Voraussetzungen zu schaffen und zu nutzen.

Ist eigenverantwortliches Arbeit so wichtig wie es von vielen gesehen wird?

Die Vorteile des eigenverantwortlichen Arbeitens liegen für alle Parteien auf der Hand. Für den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin besteht der Vorteil, dass Kontrollen über Präsenzzeiten, stetig neue Aufgabenverteilungen und auch Absprachen unter Einbeziehung der Chefetage entfallen, da diese Punkte von der Belegschaft in eigenverantwortlichem Handeln und in Absprache miteinander geklärt werden können. Somit besteht für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die Möglichkeit, sich mehr den großen Entscheidungen zu widmen, welche zukunftsweisend für das Unternehmen sein werden. Eine Gefahr, welche das Tagesgeschäft zum alles überschattenden Zeitfresser macht, welcher Visionen und langfristiges Denken in den Hintergrund drängt, ist somit beinahe ausgeschaltet.
Die Grundvoraussetzung für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche erfüllt werden muss, um eigenverantwortliches Arbeiten im Unternehmen zu ermöglichen, ist eine gezielte Auswahl von Beschäftigten und das unbedingt Vertrauen, welches jenen dann entgegengebracht werden muss.

Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind die Vorteile des eigenverantwortlichen Arbeitens nicht weniger wichtig und prägnant. Zum Einen ist hier der emotionale Aspekt zu nennen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eigenverantwortlich über ihre Tätigkeiten und die Form der Ausübung entscheiden, fühlen sich deutlich wertgeschätzter. Dies führt in aller Regel zu einer deutlich höheren Eigenmotivation und somit am Ende auch zu besseren Arbeitsergebnissen. Wer das Gefühl hat, seine Arbeit selbst zu steuern, die volle Verantwortung für die Ergebnisse zu übernehmen und gleichzeitig den Schutz und das Vertrauen des Unternehmens genießt, der hat wahrlich optimale Bedingungen für seine Arbeit gefunden, die so sehr erfüllend werden kann.
Weiterhin liegt im eigenverantwortlichen Arbeiten der immense Vorteil, dass in kleinen Teams eine Aufgabenverteilung entwickelt werden kann, anhand derer sich jeder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf eine seiner Kernkompetenzen spezialisieren kann.
Eine solche Fokussierung auf Bereiche, die Spaß und Freude bereiten und gleichzeitig die eigenen Stärken abbilden, führt wiederum zu größerer Motivation und besseren Ergebnissen.

Insgesamt lässt sich zu den Vorteilen sagen, dass die Bevorteilung von beiden Parteien im Berufsleben durch eigenverantwortliches Arbeiten auf der Hand liegen und bei richtiger Umsetzung eine absolute Bereicherung für jeden Betrieb darstellen können.

Welche Hindernisse stehen dem eigenverantwortlichen Arbeiten also noch im Wege?

Leider sind auch die Hindernisse auf dem Weg zu einem eigenverantwortlicherem Arbeiten auf beiden Seiten vorhanden und sowohl Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tun sich teilweise noch schwer, sich voll und ganz auf jene Form der Arbeit einzulassen.

Auf der Seite der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber steht in vielen Fällen noch die Angst vor einem gewissen Kontrollverlust. Über vorgeschriebene Präsenzzeiten und die eigene Einteilung von Aufgabenbereichen durch den Unternehmer, ist zumindest scheinbar eine große Kontrolle durch die Unternehmensleitung vorhanden. Inwieweit diese jedoch wirklich zu produktiver und effektiver Arbeit führt, ist sehr fraglich.
Trotzdem ist der Wunsch, die Kontrolle im eigenen Unternehmen zu haben, keineswegs zu missbilligen und zu kritisieren. Viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben ihr Unternehmen über Jahre oder gar Jahrzehnte aufgebaut. An ihm hängt ihr ganzes Herzblut und es bedarf schon eine große Überwindung, auch nur kleine Aufgabenbereiche abzugeben und die Kontrolle in diesen Punkten scheinbar zu verlieren. Die offensichtlichen Vorteile des eigenverantwortlichen Arbeitens sollten hier in einem gemeinsamen Gespräch zwischen den Unternehmern und den Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeitern ergründet werden.
Hier gilt: Auch eine schrittweise Lockerung von Vorgaben kann am Ende zu einem guten Ergebnis im Bezug auf die Eigenverantwortlichkeit führen.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steht mit mehr Eigenverantwortlichkeit scheinbar oft auch der Verlust von Sicherheit Halt im Raum. Klare Ansagen und Präsenzzeiten geben sowohl im Tages- und Wochenablauf, aber auch bei der Strukturierung der eigenen Arbeitsabläufe die Sicherheit, die sich viele Menschen weiterhin wünschen. Gleichzeitig besteht jedoch der Wunsch, mehr Entscheidungen gleichzeitig treffen zu können und sich selbst besser zu entfalten. Es muss ganz klar sein, dass mit einer solchen Entfaltung immer auch die volle Übernahme der Verantwortung für das eigene Arbeitsergebnis einhergehen muss.
Nur wer die größtmögliche Eigenverantwortlichkeit bei seiner Arbeit erreicht und sich der Verantwortung, die damit einhergeht bewusst macht, wird auch die großen Vorteile einer solchen Arbeitsweise kennen und schätzen lernen:
1.Es entsteht eine viel größere Identifikation mit dem eigenen Arbeitsergebnis.
2.Die Motivation, aus eigenem Antrieb, am Arbeitsergebnis zu schrauben, ist weitaus höher.
3.Ich kann mich auf einem Feld entfalten, welches ich, in Absprache mit einem kleinen Team, selbst gewählt habe.

Fehlertoleranz auf beiden Seiten ist eine Grundvoraussetzung für eigenverantwortliches Arbeiten

Wer sich in einem Unternehmen auf mehr Eigenverantwortlichkeit in der Arbeit einlässt und diese wünscht, dem muss bewusst sein, dass gerade in den anfänglichen Stadien eine Erhöhung der Fehlerquote möglich ist. Hierbei ist es immens wichtig, nicht aufgrund der ersten Fehler vom Plan abzuweichen und erneut in alte Muster zu verfallen, sondern nicht an der grundsätzlichen Idee von mehr Eigenverantwortlichkeit zu zweifeln!

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