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Gratismentalität

Ich habe etwas gebaut, das vielen viel Zeit spart. Warum erwarten Menschen, dass so etwas nichts kostet?

Ich habe vor einiger Zeit den Calendar Butler gebaut. In meiner Freizeit, für Menschen, die gleichzeitig für mehrere Kunden arbeiten. Er läuft, er hat Nutzer, und er spart ihnen im Jahr eine Menge Zeit.

Kürzlich war ich mit einem Unternehmen im Gespräch, das den Calendar Butler gern nutzen möchte. Sie hatten den Nutzen erkannt und hochgerechnet, dass das Tool ihnen etwa 3 Vollzeitstellen sparen würde, die eigentlich nur mit unsinniger Arbeit beschäftigt sind, und sie sinnvolle Dinge tun könnten.

Dann sagte der Ansprechpartner etwas, was mich umgehauen hat: „Ich sehe da zwei Möglichkeiten. Die erste: Wir bekommen das irgendwie bei uns auf unseren Servern zum Laufen. Die zweite: Wir bauen das einfach selbst nach.“

Für sie war das ein 'kleines Tool, das jemand nebenbei geschrieben hatte'. Dass das ein Produkt ist, mit einem Kundenstamm und auf Expansionskurs, ist ihnen gar nicht bewusst gewesen.

Kalenderansicht für einen Dienstag mit drei Spalten, in denen Termine als graue Felder und belegte Zeiten als schraffierte Blöcke zu sehen sind

Der Nutzen ist groß. Kosten darf es bitte nichts.

Was er leistet

Ja, es ist einfach: Der Calendar Butler reserviert Termine. Und zwar so, dass auch in compliance-kritischen Umgebungen keine Daten abfließen oder versehentlich offengelegt werden können.

Das spart den Freelancern und Unternehmensberatern viel Zeit, Geld und Nerven: Rechnet man mit 15 Minuten Kalenderpflege am Tag, und das kommt dem, was ich in der Praxis sehe, sehr nahe, sind das bei 220 Arbeitstagen 55 Stunden im Jahr. Für jeden Einzelnen. Das ist mehr als eine Arbeitswoche, die zurückkommt.

Alles soll bitte nichts kosten

Mich ärgert dabei weniger das einzelne Gespräch. Mich ärgert die Haltung dahinter, und die begegnet mir nicht zum ersten Mal: Es darf gern viel bringen, aber bitte nichts kosten. Den größten Gewinn möchten viele am liebsten umsonst. Ich finde diese Mentalität Käse.

Dass jemand ein Werkzeug in seiner Freizeit gebaut hat, macht es nicht billiger. Hinter etwas, das läuft, stecken Entwicklung, Tests, Betrieb und Support.

Wenn ich es weitergebe, ist das kein Gefallen, sondern Arbeit. Und der Nutzen, den andere daraus ziehen, ist mit dem Preis, den ich dafür nenne, in der Regel kaum zu vergleichen.

Damit bin ich nicht allein. Ich habe auch anderen davon erzählt, und vielen von uns geht es so, wenn wir etwas kostenlos hergeben sollen, das viel Wert bringt.

Was ich ändern kann

Dabei sehen wir uns selbst vielleicht ganz anders. Wir bezahlen für unsere Abonnements und für die Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen. Gerade deshalb ärgert uns die Gratis-Mentalität doppelt und dreifach.

Wir können die anderen nicht ändern. Wir werden nicht ändern, dass manche Menschen diese Haltung haben. Wir können nur ändern, wie wir auf sie zugehen und wie wir reagieren. Aber wir dürfen dann auch nicht still sein.

Die Frage, die ich mir stelle, lautet deshalb: Wie gehe ich mit Menschen um, die diese Mentalität haben, um mich selbst dabei nicht immer wieder zu ärgern?

Es ist ein Anfang: Mein Ansprechpartner, der ganz schnell zu den Implementierungsschritten kam, war gelinde gesagt überrascht, als ich ihn fragte, ob er nicht erst ein Angebot haben wolle.