Warum ist mein Herzensthema eigentlich ‚Intelligenz‘ geworden? Ich rede davon, dass Menschen ihre Intelligenz entdecken und in Unternehmen einbringen. Und davon, dass Unternehmen intelligent sein können, wenn sie sich auf die richtigen Dinge konzentrieren können. Ist das nicht ganz schön arrogant? Nein, ist es nicht. Und ich erzähle Ihnen auch gern, warum.

Wie ich die Intelligenz fand

Um zu verstehen, warum gerade Intelligenz mein Thema geworden ist, muss ich ein wenig ausholen. Ich erzähle Ihnen von mir selbst, von meiner Jugend, meinem Start ins Berufsleben und von einem Abend im Februar 2011.

Mir fiel schon in der Grundschule auf, dass ich nicht genauso dachte, wie die anderen Kinder in meiner Klasse. Einige Matheaufgaben hielt ich für unglaublich einfach, ich wusste die Lösung, war aber nicht sicher, ob sie denn richtig war. Die anderen um mich herum rechneten lange herum, manche wussten gar nicht, wie sie es anfangen sollten. Also war ich mir sicher, dass meine Lösung nicht richtig sein konnte – schließlich hatte ich mich dafür kaum anstrengen müssen.

Manchmal waren meine Lösungen falsch, öfter waren sie richtig. Ich lernte schnell, mir selbst etwas vorzumachen: War meine Lösung falsch, empfand ich das als nur normal. Natürlich konnte meine Lösung nicht richtig sein und den Beweis dafür hatte ich ja gerade bekommen. War meine Lösung jedoch richtig, war das Glück oder Zufall. Die Angst davor, auch später etwas Falsches zu tun oder zu sagen, war viel größer als das Vertrauen in mich selbst.

Das zog sich durch meine gesamte Schullaufbahn. Aber auch im Berufsleben dauerte es eine Weile, bis es besser wurde. Eine Zeit lang nahm ich Jobs an, die weit unter meinen Möglichkeiten lagen. Nicht nur, weil ich das Geld brauchte, sondern auch, weil ich dachte, dass ich wahrscheinlich nichts darüber hinaus schaffen würde. Also trug ich Tageszeitungen aus oder putzte in einem Autohaus. Erst später, als Personaldisponentin in einer Zeitarbeitsfirma, fing ich an, meine Leistung abzurufen. Aber noch immer stand ich erst am Anfang. Bis zu einem Tag im Januar 2011.

Der Durchbruch kam 2011

Es war ein harter Arbeitstag und er war nicht gut gelaufen. Ich hatte in einem wichtigen Meeting eine Idee nicht vorgebracht, weil ich sie für unpassend hielt. Nach langem Hin und Her kamen andere Teilnehmer auf die gleiche Idee und bekamen dafür die Anerkennung des Projektleiters. Ich dagegen bekam nach dem Meeting von ihm zu hören, dass ich an dieser Art von Meetings nicht mehr teilnehmen bräuchte, ich würde zu wenige Wortmeldungen beitragen.

Am Abend lümmelte ich auf dem Sofa herum. Neben dem Sofa lagen einige vollgeweinte Taschentücher, ich löffelte Eis aus einer Packung und ich zappte mich durchs Fernsehprogramm. Ich blieb hängen bei einer Liveshow, in der irgendwelche Knobelaufgaben gelöst werden sollten. Das hatte ich schon immer gemocht, und obwohl die Show schon eine Weile lief und ich die ersten Aufgaben verpasst hatte, holte ich mir Schreibzeug und knobelte mit.

Fast zwei Stunden war ich wie gefesselt von den Aufgaben, mein Eis hatte ich wieder in den Gefrierschrank gestellt und die Taschentücher waren vergessen. Ich löste Matheaufgaben, vervollständigte Zahlenreihen und kombinierte Wortpuzzle. Als der Moderator das Ende der Show ankündigte, war ich ehrlich enttäuscht und wollte schon wegschalten, als er etwas von einem Testergebnis sagte.

Mein Ergebnis haute mich um. Ich war gar nicht so dumm, wie ich es immer dachte. Ganz im Gegenteil, ich war weit intelligenter als der Durchschnitt (und bin es auch heute noch). Mit einem Schlag änderte sich mein ganzes Bild von mir und den Möglichkeiten, die ich hatte.

Was ist Intelligenz

Von da an beschäftigte ich mich viel mit dem Thema. Intelligenz kann man grob beschreiben als die Fähigkeit, Muster zu erkennen, zu lernen und sie später auf andere Situationen sinnvoll anzuwenden. Also einmal eine Lösung für ein Problem zu lernen und zu erkennen, wann diese Lösung oder eine abgewandelte Form davon wieder hilfreich sein kann.

Wenn Sie als Kind also einmal gelernt haben, einen Lichtschalter zu betätigen, können Sie mir ziemlicher Sicherheit auch einen Lichtschalter in einem anderen Raum betätigen. Mehr noch: Sie sind sogar in der Lage, einen Lichtschalter in einem völlig fremden Raum zu finden, weil Sie mit der Zeit erkennen, dass er in den meisten Räumen neben der Tür ist. Sie haben das Muster erkannt.

Alle Elemente aus den Online-Test, die Sie sicher schon einmal gemacht haben, bauen darauf auf.

Bitte vervollständigen Sie diese Zahlenreihe:

2, 4, 8, 16, x, x

Spoileralarm: Die Lösung ist 32 und 64, aber das haben Sie sicher schon erkannt. Die neue Zahl ist nämlich immer das Doppelte der vorhergehenden Zahl. Dieses Muster haben Sie in der Zusammenstellung der ersten vier Zahlen erkannt und dann auf die beiden weiteren angewandt. Aber natürlich ist es im Leben nicht immer so einfach.

Von der Intelligenz Einzelner kam ich schnell zu intelligenten Gruppen und mir wurde bewusst, dass nicht nur einzelne Menschen intelligent handeln konnten, sondern auch ganze Unternehmen.

Intelligenz im Unternehmen

Einzelne Menschen sind schnell ein wenig beschämt, wenn sie gelobt oder gar als intelligent bezeichnet werden. Die meisten von uns sind so stark dazu erzogen worden, in eine Gruppe zu passen und zu sein, wie andere auch, dass wir uns gar nicht erlauben wollen, daraus auszureißen.

Die Gründe, aus denen Unternehmen selten intelligent handeln, sind dem sehr ähnlich. Auch wenn ein Unternehmen an die Spitze kommen will, will es das selten mit ganz neuen Methoden – das soll bitte vorher jemand einmal ausprobiert haben. Vorherrschend sind gedanklicher Stillstand, schlechter Umgang mit Ressourcen und Angst, etwas Falsches zu tun. Meine Leidenschaft war geweckt.

Also stehe ich heute dafür, Intelligenz salonfähig zu machen. Ich wünsche mir, dass Unternehmen sich wieder auf ihre drei Schlüsselpunkte konzentrieren: Den Zukunftsblick, die Leistung des Einzelnen und den Mut, neue Wege zu gehen.